Erlebnisse

 

Eine Reise für einen Menschen mit Behinderung zu organisieren, erfordert eine viel umfassendere Vorbereitung und Planung, als wir es von unseren Urlaubsreisen gewohnt sind. Die Organisation einer Reise für mehrere Familien mit eine großen Anzahl an Teilnehmern mit Behinderung ist dagegen eine sehr große Herausforderung und Bedarf ungleich mehr Anstrengung im Vorfeld und während der Reise. Monika Müller und ihre Familie haben in diesem Jahr als Reiseziel den Wintersport- und Erholungsort Oberhof, in den Kammlagen des Thüringer Waldes gelegen, für die diesjährige Pfingstfreizeit ausgewählt. Nachdem im Verein die Einigkeit über das Reiseziel schnell hergestellt war, begann, bereits weit vor dem eigentlichen Reisetermin, der ehrenamtliche Einsatz für das dreiköpfige Organisationsteam.
Die wichtigste Aufgabe und zugleich die Schwierigste ist die Suche nach einem geeigneten Quartier für 43 Teilnehmer, darunter mehr als zehn, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind sowie zusätzliche Betreuer. In Oberhof konnte verhältnismäßig schnell eine Unterkunft ermittelt werden, da mit dem AWO Sano Ferienzentrum, ein entsprechender Anbieter vor Ort ist, der zum einen, ein für Gruppenreisen entsprechendes Angebot anbietet, und zum anderen auch behindertengerechte Zimmer vorhält. Dennoch kann aus der Ferne nur begrenzt abgeklärt werden, welche speziellen Anforderungen erfüllt sind und wie gut die Unterkunft z. B. für Rollstuhlfahrer oder pflegebedürftige Mitreisende geeignet ist. Für Frau Müller der Anlass, mit Ihren Mann und Sohn Florian, der mit seinem Rollstuhl schon viele Unterkünfte getestet hat, im Vorfeld für ein Wochenende nach Oberhof zu fahren und das Ferienzentrum zu besuchen. Vor Ort zeigt sich, dass behindertengerecht nicht immer auch barrierefrei bedeutet. Dabei fallen dem geübtem Team die möglichen Schwierigkeiten und kleinen Hindernisse schnell ins Auge. Insgesamt ist das AWO Sano Ferienzentrum aber gut ausgestattet und auch für Reisen von und mit Menschen mit Behinderung eingestellt. Es verfügt über 2 Aufzüge, 66 moderne Zimmer mit TV und Nasszelle, davon acht rollstuhlgerecht, einen großen Frühstücksraum, mehrere Spiel- und Aufenthaltsräume, einen Fitnessraum sowie WLAN Zugang. Zusätzlich wurden 5 Pflegebetten extra für die Reisegruppe kostenlos organisiert und damit ein wichtiges Kriterium für Reisen dieser Art erfüllt.
Mit Hilfe des freundlichen Personals im Ferienzentrum konnten während der Vorabreise auch die Attraktionen in der Region ermittelt werden, die ebenfalls von Familie Müller, vorbereitend besichtigt und auf Ihre Barrierefreiheit hin getestet wurden. Damit waren für den Reisebeginn am 1. Juni alle logistischen Vorraussetzungen für eine gelungene Reise geschaffen.
Die Reise in das landschaftlich reizvolle und zur Überraschung vieler, nur 2,5 Autostunden von Aalen entfernte Oberhof, war geprägt von den Wintersportattraktionen der Weltcup Stadt und von den Spezialitäten der Thüringer Küche. Hervorzuheben sind die DKB Biathlon Skiarena, die Schanzenanlagen am Kanzlergrund und der zumindest erstaunte Blick auf die neue Skilanglaufhalle, die ab August auch im Sommer den Skilanglaufsport auf gewohntem Untergrund möglich macht. Bei einem Grillabend im Ferienzentrum konnten dann auch die original Thüringer Rostbratwürste getestet werden.
In den weiteren Tagen wurden die europäischen Kulturstädte Eisenach, Erfurt und Weimar besucht, die aus der Sicht von Oberhof, im wahrsten Sinne, direkt vor den Füßen liegen und mit der Anreise über die Thüringer Waldautobahn, dem Streckenabschnitt der A73 mit dem längsten Autotunnel in Deutschland, bereits eine erlebnisreiche Anfahrt garantieren. Da nur Erfurt gemeinsam von allen Reisenden besucht wurde, konnte mit der Besichtigung des Miniathür in Ruhla, in dem 77 originalgetreu nachgebaute Sehenswürdigkeiten Thüringens in Miniaturform präsentiert werden, jeder Teilnehmer den Überblick über die Vielzahl dessen, was Thüringen für seine Besucher zu bieten hat, wiedergewinnen.
Ein besonderes Erlebnis der Reise war das Besucherbergwerk „Finstertal“, in dem auch Rollstuhlfahrer in großer Tiefe an der spannenden Führung durch das Wegesystem teilnehmen konnten. Die Betreiber haben sich hier sehr große Mühe gegeben, die Faszination Bergwerk auch für Menschen mit Behinderung erlebbar zu machen.


Bild: Gruppenphoto vor dem Besucherbergwerk „Finstertal“

 

Nach sechs Tagen hat sich wieder einmal gezeigt, dass sich die Anstrengungen der Vorbereitung gelohnt haben, die Monika Müller und Ihr kleines Team mit enormen zeitlichem Einsatz und bemerkenswertem Engagement erbracht haben. Die Organisation bleibt jedes Jahr eine Herausforderung. Das Ziel wurde erreicht, wenn es für die teilnehmenden Familien mit Ihren behinderten Familienmitgliedern die Zeit des Jahres ist, in der sie fern von den Sorgen des Alltags die notwendige Erholung und Entspannung, vielleicht auch etwas Entlastung finden.
Falls auch Sie Interesse an den Familienfreizeiten des Körperbehindertenverein Ostwürttemberg e. V. haben oder diese finanziell unterstützen möchten, können Sie sich gern an den Verein wenden.

www.koerperbehindertenverein-ow.de